Eine kleine Geste. Ein großes Echo. Und die Frage: Was sagt das über uns aus?

Er steht allein auf dem Spielfeld. In der Hand: ein Baseball. Vor sich: ein Stadion voller Menschen. Ein Kamerateam, Mikrofone, stille Spannung in der Luft.

Er ist kein Sportler. Kein Profi. Kein Entertainer. Ein Politiker. Geladen für den symbolischen First Pitch. Eine kleine Geste mit großer Bühne.

Er holt aus, wirft – der Ball fliegt. Nicht perfekt. Aber ordentlich. Er kommt an. Und das ist doch erstmal: gut.

Ich sehe den Wurf – und denke: Schön. Einfach schön. Nicht, weil er technisch besonders war. Sondern weil er menschlich war. Weil er gemacht wurde. Weil da jemand war, der sich getraut hat.

Ich stelle mir vor, ich stünde da. Mit klopfendem Herzen. Tausende Augen auf mir. Kameras, Livestream, Social Media. Ich weiß nicht, wie mein Arm sich anfühlen würde. Aber ich weiß ziemlich sicher: Mein Wurf wäre schlechter gewesen. Wackeliger. Schiefer. Vielleicht auch gar kein Wurf, sondern nur ein hilfloses Schieben.

Und ich glaube, genau deshalb hat mich dieser Moment berührt. Weil ich ihn verstanden habe. Weil er echt war.

Was danach kam, war weniger schön.

Nicht wegen des Wurfs. Sondern wegen der Reaktionen.

„Meine tote Oma hätte besser geworfen.“ „So krumm wie seine Argumente.“ „Ein Spiegelbild der Politik: Zielen geht anders.“

Kein Schulterzucken. Kein Augenzwinkern. Sondern Hohn. Häme. Sätze, so scharf wie Pfeile – abgefeuert aus bequemer Distanz.

Ich frage mich: Wann ist aus einem schiefen Wurf ein Anlass zur Bloßstellung geworden? Wann ist aus Beobachtung Bewertung geworden? Und wann aus Bewertung diese kalte Lust am Herabziehen?

Wir leben in einer Welt, die sich gerne mit dem Begriff „Fehlerkultur“ schmückt. In Workshops. In Keynotes. Auf Folien steht dann: „Wir müssen wieder lernen, Fehler zu machen.“ „Nur wer sich traut, kann wachsen.“

Und dann kommt einer. Tut genau das. Wirft. Verfehlt ein bisschen. Lächelt. Und bekommt dafür keinen Applaus – sondern Spott.

Ein Satz – und eine vielgerühmte Kultur ist mit einem Witz zunichte gemacht.

Und nein, es geht nicht um diesen einen Wurf. Nicht um diesen einen Politiker. Es geht um uns.

Um das, was wir zulassen. Was wir dulden. Was wir feiern. Und was wir selbst in die Welt hinaustragen.

Der Wurf war nicht schlecht. Aber das Echo hat gezeigt, wie schlecht wir manchmal miteinander umgehen.

Diese Lust am Urteilen. Am Runtermachen. Am Lautsein. Sie ist längst nicht mehr nur in den Kommentarspalten zu Hause. Sie ist auf Podien, in Meetings, in WhatsApp-Gruppen angekommen. Und manchmal auch in unseren eigenen Gedanken, wenn wir wieder mal zu schnell dabei sind, andere klein zu denken.

Und dann frage ich mich: Will ich mich wirklich so zeigen?

Will ich, dass mein Kind mich so erlebt? Mein nächster Chef, meine Kollegin, oder der Mensch, der vielleicht morgen an meiner Seite steht?

Will ich, dass man mich für den hält, der aus der zweiten Reihe ruft, statt in der ersten mitmacht? Für den, der die Pointen kennt, aber nicht den Mut? Für den ewigen Miesepeter im Gewand der Schlagfertigkeit?

Ich will mich nicht daran gewöhnen. Ich will nicht klatschen, wenn Häme als Haltung verkauft wird. Ich will nicht, dass meine Kinder lernen, dass der Ton nur dann zählt, wenn er trifft.

Ich will sagen können: „Ich hab versucht, Licht zu machen – nicht Feuer.“

Wir alle machen Fehler. Wir alle stehen mal schräg da. Und wir alle hoffen dann, dass jemand in diesem Moment nicht lacht, sondern still ist. Oder – im besten Fall – mitfühlt.

Der Wurf war nicht perfekt. Aber das Leben ist es auch nicht. Vielleicht war er sogar genau richtig so. Als Erinnerung daran, dass der Mut zu werfen mehr zählt als das Treffen.

Und dass wir alle gut daran tun, manchmal einfach still zu sein – und zu sagen: „War schön, dass du’s gemacht hast.“

Euer Werner


Wer ich bin: Ich bin Werner Theiner – Präsident des German Mittelstand e.V., Gastgeber für starke Köpfe und Architekt deiner Sichtbarkeit. Ich öffne Türen, die andere nicht mal sehen – und bringe Menschen auf Bühnen, die bleiben.

Wenn du dich nicht mit Visitenkarten zufriedengibst, sondern echte Verbindungen willst, dann komm näher.

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